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Denken

Entscheidungsmüdigkeit

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Gute Entscheidungen zu treffen erfordert nicht nur ein hohes Maß an aktiver Aufmerksamkeit, sondern auch Disziplin, Selbstkontrolle und körperliches Wohlbefinden. Ähnlich wie nach körperlicher Anstrengung erschöpft sich je nach Trainingszustand unsere mentale Leistungsfähigkeit nach einer gewissen Zeit. Wir werden anfällig für Fehler, neigen zu oberflächlicheren Urteilen und verlieren die Macht über unsere Impulse.

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Synonym:

Decision-Fatigue

Beteiligte Phänomene:

kognitive Auslastung und Selbsterschöpfung

Verwandte Effekte:

  • Last responsible Moment (LRM)

Weiterführende Infos:

  • Kognitive Auslastung contra Selbsterschöpfung (Ego-Depletion):
Kognitive Auslastung Selbsterschöpfung
Entsteht durch hohe mentale Arbeit, kognitive Form willentlicher Anstrengung mentale Arbeit, emotionale Form willentlicher Anstrengung, die teilweise zum Motivationsverlust führt
Erbrachte Leistung z.B. Zahlen merken, etwas auswendig lernen Entsteht durch innere Konflikte oder die Notwendigkeit, eine natürliche Neigung zu unterdrücken. Z.B. einer Versuchung widerstehen, emotionale Reaktionen hemmen, freundlich auf schlechtes Verhalten reagieren,
Führt zu Schwächung der Selbstkontrolle und damit der emotionalen Leistungsfähigkeit Schwächung der kognitiven und körperlichen Leistungsfähigkeit
Beispiele für Auswirkungen
  • eher egoistische Entscheidungen treffen
  • Verwendung sexistischer Ausdrücke
  • oberflächliche Urteile in sozialen Situationen fällen
  • Von seiner Ernährung abweichen
  • zu viel Geld für Impulskäufe ausgeben
  • aggressiv auf Provokationen reagieren
  • bei einer Kraftmesser-Aufgabe weniger lange durchhalten
  • bei Denkaufgaben und logischer Entscheidungsfindung schneller aufgeben
vermehrte Anstrengung keine Option teilweiser Motivationsverlust kann durch weitere Anstrengung oder starke Anreize ausgeglichen werden
Effekte können durch Aufnahme von Glucose rückgängig gemacht werden

Generiert aus: Kahnemann, Daniel: Schnelles Denken, langsames Denken. München 2012, S. 57-61

  • „Selbstkontrolle und Selbstdisziplin aufrechtzuerhalten kostet Kraft und übermäßiger Gebrauch dieser Energie führt in einen Zustand der Erschöpfung. Diese „Selbsterschöpfung“ (so die Übersetzung von Ego?Depletion) verlangsamt die Leistungsfähigkeit unseres Gehirns, insbesondere in jener Region, die aktiv ist, wenn wir Entscheidungen treffen und Ziele verfolgen.“
  • „Was das erschöpfte Ego (…) am schnellsten auf Trab bringt, ist Zucker – Glukose kompensiert den Effekt der Ego?Erschöpfung am besten. Die Abhängigkeit
    der Selbstkontrolle von ausreichender Energiezufuhr ist empirisch belegt, etwa anhand von Studien mit Schülern, die teils mit und teils ohne Frühstück zur Schule gingen und deutlich unterschiedliche Leistungen erzielten. Keine Glukose, keine Willenskraft– auf diese eindeutige Formel bringt das Autorenduo die Ergebnisse.

https://www.dgfp.de/wissen/personalwissen-direkt/dokument/89233/herunterladen

  • “ (…) Forscher beobachteten das Verhalten acht erfahrener Richter, die Bewährungsausschüssen für israelische Gefangene vorsitzen. Die Forscher notierten die zwei Pausen der Richter und zu wessen Gunsten ihre Urteile ausfielen.Dabei machten sie eine sehr menschliche Feststellung: Ein leerer Bauch entscheidet nicht gern. In annähernd jeder der über 1100 betrachteten Verhandlungen fielen die Urteile unmittelbar nach der Arbeitsunterbrechung besonders milde aus. Die Gefangenen konnten zu 65 Prozent mit einer Entlassung aus dem Gefängnis oder einer Verbesserung ihrer Haftbedingungen rechnen.Danach nahm das richterliche Wohlwollen fortschreitend bis zur nächsten Pause ab. Kurz vor dem Mittagessen erreicht die Güte der Justiz den absoluten Tiefpunkt – die Richter lehnten in annähernd allen Fällen das Anliegen des Häftlings ab.

Zugrunde liegende Studie:

Shai Danziger; Jonathan Levav und Liora Avnaim-Pesso, Extraneous Factors in Judicial Decisions, PNAS 108 (2011): S. 6889-6892.

Die ganze Studie unter: http://www.pnas.org/content/108/17/6889.full.pdf

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