11

Urteilen

Kontrasteffekt

einmaleins@flavia-it

Menschen sind schon auf der physiologischen Ebene lediglich zu vergleichender, auf Unterschieden beruhender Wahrnehmung fähig. Analog dazu beurteilen wir etwas schöner und größer, wenn wir zugleich etwas Hässliches, Kleines vor uns haben.

Weitere Informationen

Wahrnehmung ist bereits physiologisch nur durch bewertende Vergleiche, also das Vorhandensein von Kontrasten, überhaupt möglich. Vergleiche bewegen sich damit nie im absoluten, sondern immer im relativen Raum von Sinneindrucksdifferenzen. In diesen relativen Kontext hinein wirkt der Kontrasteffekt.
Physikalisch: Lauwarmes Wasser erscheint relativ warm, wenn die Hand zuvor in einer Schüssel mit kaltem Wasser gelegen hat und relativ kalt, wenn es sich um eine Schüssel mit warmem Wasser gehandelt hat.

Mental: Der Immobilienmakler wird einem Interessenten nach Möglichkeit erst eine, in keinem Fall den Ansprüchen genügende, Wohnung zeigen, so dass die eigentliche Zielwohnung dann im besseren Licht (verglichen mit der ersten Wohnung) erscheint.

Der Kontrasteffekt ist in der Physiologie wissenschaftlich verankert und dort als Weber-Fechner-Gesetz bekannt. Dieses besagt, dass ein zusätzlicher Reiz umso stärker sein muss um wahrgenommen zu werden, je höher ein Grundreiz ist. Demnach liefert die Wahrnehmung nie absolute Größen, sondern Differenzen zwischen verschiedenen Reizen. Dies spiegelt sich beispielsweise in einer relativen Bewertung von Gewinn- und Verlustsituationen wider.

„Ein Kontrasteffekt bezeichnet auch eine Tendenz bei Urteilsbildungen und sozialen Vergleichen. Ein Objekt, das eine mittlere Beurteilung (bei isolierter Beurteilung) erhält, wird positiver beurteilt, wenn ihm ein negativ beurteiltes Objekt vorangeht (positiver Kontrasteffekt), und negativer, wenn ihm ein positiv bewertetes Objekt vorausgeht (negativer Kontrasteffekt).“

Quelle: Kontrasteffekte in der Sozialpsychologie

Kontrasteffekt am Beispiel „Bewerbungsgespräch“: Jeder Kandidat wird mit seinem Vorgänger und Nachfolger verglichen. In diesem Sinne erhalten Kandidaten für eine durchschnittliche Leistung tendenziell eine schlechtere Bewertung, wenn ihr Vorgänger besonders positiv aufgefallen ist – und umgekehrt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.