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Erinnern

Narrative Verzerrung

einmaleins@flavia-it

Wir sind nur sehr eingeschränkt dazu in der Lage eine Reihe von Fakten zu betrachten, ohne eine Erklärung in sie hinein zu weben. Um logische Verknüpfungen herzustellen und bestimmten Ereignissen nachträglich Plausibilität zu verleihen, konstruieren wir Geschichten, die uns helfen, Komplexität und Unwissenheit zu reduzieren.

Weitere Informationen

Weiterführenden Informationen:

„…Was passiert wenn wir etwas gedanklich rekonstruieren? Wir versuchen, ein Ereignis, das ohne Zusammenhang in unserem Gedächtnis erscheint, einer logischen Anordnung zu

unterwerfen. Wir fädeln es auf eine kausale Kette, fügen weitere Ereignisse hinzu und
leiten ebensolche ab, die wir zu Ursachen respektive Wirkungen erklären. In dieser Übung
ist der Mensch sehr gut. So gut, dass sein Gehirn Beihilfe leistet und zum Beispiel
Erinnerungen nach Bedarf konstruiert oder Ursachen erfindet, wenn keine vorhanden sind.
Wir wissen, wie selektiv das Gedächtnis funktioniert, wie vereinfachend unser Rückblick
ist. Hinterher ist man immer klüger, weil, meint Taleb, „narrative Verzerrungen“ die
Illusion erzeugen, im Nachhinein sei alles vorhersagbar. Dafür werden Fakten in eine gut
klingende Geschichte oder ein wissenschaftlich aussehendes Muster eingebaut. Hier ist Rekonstruktion als individueller Gedankenprozess gemeint…“

Quellen:

Dietrich Dörner. Die Logik des Misslingens – Strategisches Denken in komplexen Situationen. Rowohlt Verlag. Reinbek bei Hamburg 2003.

Nassim Nicholas Taleb. Der Schwarze Schwan – Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse. Hanser Verlag. München 2008

Verwandte Effekte:

  • Erklärungen im Nachhinein
  • Unsichtbare Misserfolge

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